Google Chrome: Protest und Clinch in der Blogosphäre

Die Blogosphäre war empört, nein entrüstet, erbost, erzürnt. Das war nur für Szeneunkundige eine Überraschung, ist doch Google unter den Bloggern dieser Welt, jener von Geburt an mit besonders feinen Antennen für jegliche Ungerechtigkeit ausgestatteten Spezies, schon seit geraumer Zeit ein beliebtes Feindbild bezüglich Datenklau, Machtfülle und Einfluss im WWW.

Die Flamme des Protestes entzündete sich an den Nutzungsbedingungen des neuen Browsers Google Chrome. Virtuelle Mobs formierten sich in Mbit-Geschwindigkeit und forderten die Köpfung des Monsters, mindestens jedoch das Abhacken einer Klaue. Das Monster reagierte und schlug sich selbst - Kompromissbereitschaft bezeugend - die äußerste Schwanzspitze ab.

Die edlen Ritter des Netzes atmeten auf. Sie hatten es - wieder einmal - geschafft. Die Gefahr war dank ihres unermüdlichen Einsatzes, dank investigativster Recherche, spitzester Federn und effektivsten Radaus, gebannt. Wieder einmal hatten sie der Welt und vor allem sich selbst ihre Existenzberechtigung mit allem Nachdruck in die Augen gerieben. Das Monster Google Chrome wurde in Ketten gelegt, seine Zähne herausgerissen und die scharfen Klauen gestutzt. Und so lebten alle...

Aber das schöne Märchen war nicht ganz ohne Reibungen innerhalb der Ritterschar abgegangen. Einige aufmüpfige Knechte hatten sich zu unbedachten Äußerungen hinreißen lassen. Der bärbeißige Anführer der Horde machte kurzen Prozess, hieb einmal mit aller Macht in den konspirativen Haufen - und brachte damit sein Gefolge wieder auf Linie. Auf dass Papas Worte ewig Bestand haben mögen!

Nach dem etwas polemisch geratenen Märchen folgt zum Wochenende als hilfreicher Beitrag noch ein sachdienlicher Hinweis zum neuen Browser: Google Chrome teilt jedem Benutzer eine individuelle Erkennungsnummer zu. Diese Praxis kann umgangen werden, allerdings gibt es leider keinen betreffenden Eintrag im Optionen-Menü. Ein wenig mehr Finesse ist von Nöten, wie Golem ausführlich darlegt.

 
 
Autor :
Veröffentlicht : 05.09.2008
Tags : Browser, Google, Kritik, Blogosphäre
Dieser Artikel wurde 2097 mal gelesen.


1
Robert schrieb:
05.09.2008 14.16
danke für den erfrischenden Beitrag, ich mag Analogien:)

Hey, bei Dir gibt es ja gar kein URL-Feld, da lohnt sich das Kommentieren null. Warum schreibe ich überhaupt etwas? Wozu tue ich mir einen Gefallen?
2
NetReaper schrieb:
05.09.2008 14.43
Warum die blogosphäre Google so misstraut lässt sich in der Hackerethik nachlesen:
http://www.ccc.de/hackerethics?language=de

# Mißtraue Autoritäten - fördere Dezentralisierung

3
Oliver schrieb:
05.09.2008 18.33
Jaja, Gebashe auf Google Chrome. Was immer kaum jemand bemerkt: Unter Chrome liegt Chromium mit allem drum und dran. Unter BSD-Lizenz. Und damit wird ein freier Browser gebaut. Und jeder kann in den Quellcode schauen. So mag ich das. Chromium wird der nächste Schritt für das Web.


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