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Fotografen-Risiko: Wer besitzt Verwertungsrecht am Bild?

Ob Fotograf, Corporate-Publishing-Redakteur, Journalist, Betreiber eines Bildportals oder Mitarbeiter in einer Werbeagentur: Wer fotografiert und die Ergebnisse gewerblich nutzt, sollte sehr genau achtgeben, welche Motive von welchem Platz aus er ins Visier nimmt. Denn das Risiko ist mitunter hoch, dass plötzlich eine Klage ins Haus flattert - wovon unter anderem zwei Fotoagenturen berichten können, die es mit der Schlösserstiftung Sanssouci zu tun bekamen.

Ein Fall aus der Praxis, der nicht nur die Gerichte beschäftigte, sondern auch ein entsprechendes Medienecho hervorrief: Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten klagte dagegen, dass ungenehmigt Foto- und Filmaufnahmen der von ihr verwalteten Kulturgüter zu gewerblichen Zwecken angefertigt und vermarktet werden.

Immerhin verwaltet die Stiftung 150 historische Bauten und rund 800 Hektar Gartenanlagen in Berlin und Brandenburg - darunter Sanssouci, das im Mittelpunkt eines Rechtsstreites stand. Angeklagt waren in drei verschiedenen Verfahren
- eine Fotoagentur, die Fotos vermarktet;
- eine Agentur, die Filmaufnahmen von Gebäuden und Gartenanlagen auf den Anwesen der Stiftung in einer DVD über Potsdam verarbeitet und gewerblich vertrieben hat;
- der Betreiber einer Internetplattform, auf der u. a. rund 1.000 Fotos aus den Anlagen der Stiftung von freiberuflichen Fotografen kostenpflichtig zum Download bereitgestellt wurden.

Alle drei Beklagten hatten ohne Genehmigung der Schlösserstiftung Sanssouci gehandelt, die wiederum von den Beklagten forderte,
- eine Vermarktung zu unterlassen,
- genau zu benennen, wie viele Foto- und Filmaufnahmen für gewerbliche Zwecke mit welchen Erlösen verwendet wurden,
- Ersatz des der Klägerin entstandenen Schadens.

Uneinigkeit in den Gerichtsinstanzen
Das Landgericht Potsdam als erste Instanz gab den Klagen der Stiftung statt, woraufhin man vor das Oberlandesgericht Brandenburg zog. Das wiederum urteilte:
1. Das Eigentumsrecht beschränkt sich auf den Schutz der Sachsubstanz und deren Verwertung.
2. Das Eigentumsrecht beschränkt sich nicht auf die Ablichtung der Sache und deren Verwertung.
3. Der Urheber der Ablichtung besitzt das Verwertungsrecht.

Es ging weiter, denn nach dem entsprechenden Einspruch war nun der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) gefordert, der die Frage abschließend zu entscheiden hatte, ob das Recht am Bild auch bei öffentlich zugänglichen Gebäuden gilt.

Kommerzielle Verwertung der Bilder ohne Genehmigung nicht erlaubt
Ganz offiziell: Im Rechtsstreit zwischen Schlösserstiftung Sanssouci und Fotoagenturen erhielt mit Urteil vom 17.12.2010 die Stiftung Recht, die gewerbliche Nutzung von Bildern ihrer Gebäude zu untersagen. Dies gilt zumindest dann, wenn die Fotos vom Grundstück der Eigentümerin aus aufgenommen wurden, so die dazugehörige Pressemeldung des BGH.

Nach dem Eigentumsrecht ist es nämlich Sache des Eigentümers, sprich hier der Stiftung, ob und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen jemand sein Grundstück betritt. Folglich steht ihm das ausschließliche Recht zur Anfertigung und Verwertung von Fotografien zu, die von seinem Grundstück aus aufgenommen worden sind.

Übrigens: Auch, wenn die Gärten und Parkanlagen als Erholungsgebiet gelten und kein Eintritt verlangt wird, gibt es keine automatische Kostenfreiheit für Foto- und Filmaufnahmen zu kommerziellen Zwecken. Hier darf die Stiftung Entschädigung verlangen.



Betreiber des Bilderportals haftete nicht
Ungeschoren blieb dagegen der Betreiber des Bildportals, denn er hatte selbst keine Foto- oder Filmaufnahmen angefertigt und selbst verwertet, sondern nur ein Portal zur eigenständigen Verwertung durch die Fotografen und Fotoagenturen bereitgestellt.

Der Bundesgerichtshof vertrat nämlich die Auffassung, dass der Betreiber eines virtuellen Marktplatzes (wie Bildportal oder Bildagentur) die dort angebotenen Fotos nur überprüfen muss, wenn er eine Verletzung von Immaterialgüterrechten und Eigentumsrechten oder andere Rechtsverletzungen erkennen kann. Ob die Gebäuden und Gartenanlagen der Stiftung nun ohne Genehmigung aufgenommen worden waren oder nicht - das war schlichtweg nicht zu erkennen.

Als Fotograf auf Nummer sicher gehen
Natürlich ist die erste und beste Methode, einen solchem Rechtsstreit aus dem Wege zu gehen, vom Eigentümer eines geschützten Bildmotivs die schriftliche Genehmigung für eine kommerzielle Bilderverwertung einzuholen. Die Praxis sieht jedoch etwas komplexer aus. So soll es mitunter ganz kuriose Regelungen hinsichtlich der ungenehmigten kommerziellen Verwertung geben wie z.B.
- Reichstag ablichten ohne Kuppel erlaubt, mit Kuppel ein Verstoß
- Eifelturm ablichten am Tag erlaubt, bei Nacht nicht

Die Erfahrung zeigt: Ein Fotograf kann von jeder Aufnahme nicht alle Eventualitäten und rechtlichen Besonderheiten in Europa im Detail prüfen. Somit bleibt das Restrisiko einer Rechtsverletzung, das ihm vielleicht nicht einmal bewusst ist. Er hat doch nur ein Denkmal fotografiert von einem Standort aus, der öffentlich zugänglich ist.

Um auf Nummer sicher zu gehen und auch nicht der trügerischen Sicherheit aufzusitzen, dass man als Freelancer eh über die Agentur mitversichert sei, empfiehlt sich für alle Medienschaffenden, die Fotos für gewerbliche Zwecke schießen oder verwenden, eine berufsspezifische Berufshaftpflichtversicherung. Sie sichert neben Verstößen gegen Urheberrecht, Markenrecht oder Persönlichkeitsrecht auch Verstöße gegen kommerzielle Verwertungsrechte ab. Dabei übernimmt der Berufshaftpflichtversicherer auch die Kosten für Anwälte, Gutachter und Gerichte im Zusammenhang mit einer Abmahnung, Unterlassungs- oder Schadenersatzforderung.


(Bildquelle: aboutpixel.de / Fotografieren © Christian Wöller)
Autor :
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Veröffentlicht:09.02.2011 (4650 mal gelesen)
Tags:Fotografie, exali, Versicherung
13.02.2011 | 01.19 Uhr
übrigens seit einige jahre gilt ein gesetz, dass du solche öffentliche gebäude, wie museen, schlösser usw. …und zwar du darfst fotografieren, aber nur für private zwecke, aber für öffentliche nicht. leider du bekommst eine sondergenehmigung auch nicht. ziemlich heikle sache…trotzdem danke…war interessant.

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